Öffentlichkeitsarbeit Artikel OÖ Nachrichten vom 13.12.12

Artikel OÖ Nachrichten vom 13.12.12

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Sozialmarkt: Die Armut zieht auch im Mondseeland immer größere Kreise

MONDSEE. Im Gespräch mit den OÖNachrichten spricht die Initiatorin des Sozialmarktes Mondsee und Obfrau des Vereins Sozialzentrum, Gerti Kern (47), über ihre Erfahrungen und darüber, warum sie ein Sozialhaus in der Marktgemeinde für unabdingbar hält.

OÖNachrichten: Frau Kern, den Sozialmarkt Mondsee gibt es jetzt das fünfte Jahr. Welche Erfahrungen haben Sie damit?

Gerti Kern: Zunächst das Positive: Ich spüre, dass es in der Krise mehr Menschen gibt, die sich engagieren, auch viele Jugendliche. Wir haben derzeit rund 30 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Weitere Ehrenamtliche sind uns aber jederzeit willkommen. Man spürt, dass auch bei den Spendern gerade zu Weihnachten die Herzen aufgehen. Diese Bereitschaft würde ich mir über das Jahr verteilt wünschen.

OÖNachrichten: Was ist das Negative?

Gerti Kern: Ich habe schön langsam das Gefühl, dass wir für alles zuständig sind. Andere Stellen vermitteln uns Kunden, aber das ist ja nicht genug. An erster Stelle müsste immer ein Gespräch stehen, weil die Menschen ja auch reden wollen über ihre Situation. Und da müsste schon im Vorfeld mehr passieren. Auch die Einkäufer selbst haben sich verändert.

OÖNachrichten: Das klingt nach bisschen Frust.

Gerti Kern: Ehrlich gesagt ja. Anfangs standen die Leute unserer Arbeit noch mit Respekt gegenüber, das nimmt leider ab. Wahrscheinlich ist das der Gewohnheitseffekt. Die Hemmschwelle auch gegenüber den Mitarbeitern sinkt, manche Einkäufer sind richtig unverschämt.

OÖNachrichten: Wie sehen Sie das Problem der Armut im Mondseeland?

Gerti Kern: Grundsätzlich wird die Armut immer größer. Haben wir früher vor allem alten Menschen mit niedrigsten Pensionen unter die Arme gegriffen, so kommen jetzt immer mehr alleinstehende Frauen mit Kindern zu uns, aber auch Leute, die gerade ihre Arbeit verloren haben. Die Armut zieht immer größere Kreise, und unsere Hilfe bezieht sich nicht mehr nur auf die Lebensmittel. Wir geben auch hie und da Tankgutscheine etwa für Arztbesuche aus. Was noch auffällt: Die familiären Auffangnetze, die es noch früher gegeben hat, findet man heute nur mehr selten.

OÖNachrichten: Man hört, dass sich die Sozialeinrichtungen in Mondsee neue Räume im Bezirksgericht, das 2013 geschlossen wird, wünschen würden. Wie steht es damit?

Gerti Kern: Das ist richtig, und der Mondseer Bürgermeister weiß von unserem Anliegen. Ein soziales Haus ist notwendig, damit sich Kunden leichter zurechtfinden können. Man hat dann alles unter einem Dach und genießt auch eine gewisse Anonymität, weil niemand weiß, zu welcher Beratungsstelle ein Kunde im sozialen Haus geht.

OÖNachrichten: Viel Arbeit also für die nächsten Jahre. Sie gelten ja als ausgesprochene Powerfrau. Hoffentlich geht Ihnen bei dem Arbeitspensum die Energie nicht aus.

Ich leide keinesfalls an Amtsmüdigkeit. Das kann ich mir schon allein wegen meiner engagierten Mitarbeiter nicht leisten.